Infektionskrankheiten breiten sich weltweit immer weiter aus, und resistente Erreger machen die Behandlung zunehmend schwieriger. Obwohl der Bedarf an neuen Antibiotika steigt, wird ihre Entwicklung politisch und wirtschaftlich kaum unterstützt. Umso wichtiger ist die Arbeit jener Forschenden, die trotz dieser Hürden nach neuen Wirkstoffen suchen. In der ersten Folge des neuen Podcasts „Ansteckende Begeisterung – Infektionskrankheit als Berufung“, herausgegeben von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft, teilt Leibniz-HKI-Direktor Prof. Dr. Axel Brakhage seine Sicht auf die Zukunft der Antibiotikaforschung.
Die Internistin Cathrin Kodde von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Biologe Mike Marquet vom Universitätsklinikum Jena nehmen die Zuhörenden zusammen mit Axel Brakhage auf eine rund 30-minütige Reise, bei der zentrale Fragen zur Wirkstoffsuche, zu mikrobiellen Naturstoffen und zu innovativen Strategien für neue Antibiotika im Mittelpunkt stehen.
Brakhage erklärt unter anderem, weshalb Forschende Mikroben in Gemeinschaften kultivieren und wie ökologische Signale oder spezielle Kulturbedingungen – bis hin zum wortwörtlichen „Schütteln“ im Labor – verborgenes biosynthetisches Potenzial aktivieren können. Neben spannenden wissenschaftlichen Einblicken werden aber auch praktische Herausforderungen diskutiert, beispielsweise die hohen Kosten für die Entwicklung neuer Antibiotika. Im Fall des am Leibniz-HKI entdeckten Tuberkulose-Medikaments BTZ-043 war dies durch die aufwendige Einwerbung großer Summen an Fördermitteln und die enge Zusammenarbeit zahlreicher Wissenschaftler*innen inner- und außerhalb des Instituts möglich.
Ein weiteres Thema ist der Brückenschlag zur Anwendung: Brakhage spricht über das vom Leibniz-HKI mitinitiierte Förderinstrument INCATE (Incubator for Antibacterial Therapies in Europe) – einen Inkubator, der potenzielle Gründer*innen und Start-ups dabei unterstützt, die Entwicklung neuer Wirkstoffe voranzubringen und so die translationale Forschung beschleunigt.
Der Podcast wirft außerdem einen Blick auf die nächste Generation von Forschenden: Warum lohnt sich der Einstieg in die Infektionsforschung – und was macht dieses Feld so attraktiv für Nachwuchswissenschaftler*innen? Für Brakhage selbst bedeutet Forschung eine Art Abenteuer, das Ausdauer verlangt und zugleich tief erfüllend ist: „Die Berge erklimmen, das ist Forschung. Und wenn man den Berg dann erklommen hat, dann ist das fantastisch und durch nichts zu ersetzen.“
Wer sich also für die Schnittstelle von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung interessiert, wer verstehen möchte, wie neue Antibiotika entstehen, und warum das nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung ist, sollte unbedingt in diese Podcastfolge hineinhören.

