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HKI_Neues Antibiotikum aus uraltem Pilz

Die Veröffentlichung der eigenen Arbeit in einer international renommierten Zeitschrift ist der ultimative Lohn für jahrelanges Forschen. Neun Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) erhielten nun noch eine weitere Ehrung: Sie wurden mit dem medac-Forschungspreis 2014 ausgezeichnet.

HKI-Bild zu PM 06.11.2014Einer der ältesten Pilze überhaupt, Lichtheimia corymbifera, ist ein fester Akteur im Abbau von toten, organischen Materialien in der Natur. Manchmal jedoch ist er zu „früh“ dran und befällt lebende Personen, deren Immunsystem beispielsweise durch Diabetes oder eine Transplantation geschwächt ist. Verbreitet sich der Pilz über die Blutbahn im Körper, ist er nur noch durch einen chirurgischen Eingriff oder eine Chemotherapie zu stoppen. Volker Schwartze, Ekatarina Shelest, Fabian Horn, Jörg Linde, Vito Valiante und Kerstin Kaerger ist es gelungen, das Erbgut des Pilzes zu entschlüsseln. Mit diesem Wissen können die Forscher aus vier unterschiedlichen Gruppen des HKI nun versuchen herauszufinden, welche speziellen Gene für die Infektion verantwortlich sind, um langfristig neue Therapien entwickeln zu können. Die Arbeit wurde in der international renommierten Fachzeitschrift PLoS Genetics veröffentlicht.

Das Wissenschaftlerteam aus Sacha Pidot, Keishi Ishida und Michael Cyrulies konnte seine Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie International Edition veröffentlichen. Mit ihrer Forschung reagierten sie auf das aktuelle Problem der multiresistenten Krankheitserreger, die auch in deutschen Krankenhäusern immer mehr Patienten betreffen. Sie begaben sich auf die Suche nach einem neuen Wirkstoff und fanden im Bakterium Clostridium beijerinckii ein völlig neues Antibiotikum. Dieses weist hohes Potential auf, gegen multiresistente Erreger wie den Klinikkeim MRSA wirksam zu sein.

Ausgewählt vom wissenschaftlichen Beirat des HKI, wurden die Forscher anlässlich der Sitzung des Kuratoriums ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird vom mittelständischen Pharmaunternehmen medac GmbH mit Sitz in Wedel bei Hamburg gestiftet. Dem Unternehmen liegt viel daran, junge Wissenschaftler zu fördern und sie zum interdisziplinären Austausch anzuregen.

Originalveröffentlichungen
Schwartze VU, Winter S, Shelest E, Marcet-Houben M, Horn F, Wehner S, Linde J, Valiante V, Sammeth M, Riege K, Nowrousian M, Kaerger K, Jacobsen ID, Marz M, Brakhage AA, Gabaldón T, Böcker S, Voigt K (2014) Gene expansion shapes genome architecture in the human pathogen Lichtheimia corymbifera: An evolutionary genomics analysis in the ancient terrestrial Mucorales (Mucoromycotina). PLoS Genet 10: e1004496.

Pidot S, Ishida K, Cyrulies M, Hertweck C (2014) Discovery of clostrubin, an exceptional polyphenolic polyketide antibiotic from a strictly anaerobic bacterium. Angew Chem Int Ed Engl 53, 7856-7859.

Die Preisträger
Volker Schwartze (Jena Microbial Resource Collection)
Dr. Ekatarina Shelest (Systembiologie und Bioinformatik)
Dr. Fabian Horn (Systembiologie und Bioinformatik)
Dr. Jörg Linde (Systembiologie und Bioinformatik)
Dr. Vito Valiante (Molekulare und Angewandte Mikrobiologie)
Dr. Kerstin Kaerger (Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen)
Dr. Sacha Pidot (Biomolekulare Chemie)
Dr. Keishi Ishida (Biomolekulare Chemie)
Michael Cyrulies (Biotechnikum)